Die dreijährige Probephase für die Verlängerung der Linie 6 bis Mühlauer Brücke endet mit Fahrplanwechsel im Dezember;
strassenbahn.tk berichtete zuletzt im März.
Mit zahlreichen Maßnahmen wurde und wird vor allem der Freizeitverkehr gefördert. In Folge des neuen Linienbrandings als
Waldbahn wurden sämtliche Haltestellen mit auffälligen
Waldbahn-Tafeln ausgestattet, hochwertige Umgebungspläne mit Freizeitaktivitäten und Gastro-Hinweisen an den Haltestellen von Bergisel bis Igls Bahnhof installiert, die Innendurchsagen mehrsprachig erweitert und der Webauftritt erneuert. Ein Planungs- und ein Marketingbeirat wurden installiert und die Linie 6 in Kulturprojekte und Veranstaltungen eingebunden. Auch in die Marketingaktivitäten des Tourismusverbandes wurde die Waldbahn aufgenommen.
Alle Maßnahmen zusammen resultierten in einer Verdopplung der Fahrgastzahl im Abschnitt Bergisel—Igls gegenüber dem ein Jahr früher eingeführten Inselbetrieb auf rund 160.000 im Jahr. Die Zahl scheint nun auf diesem Niveau zu stagnieren. Für eine Regionalstadtbahn ist das immer noch sehr wenig — die Stubaitalbahn etwa wurde 2024 von run d 1,5 Millionen Fahrgästen genutzt und legt, wie auch sonst fast alle Linie der IVB, weiter zu.
Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass mit der vorhandenen Infrastruktur keine wesentliche weitere Steigerung der Nutzung mehr erreicht werden kann. Deshalb wird mit kommendem Fahrplanwechsel ein dauerhafter, sinnvoller und finanzierbarer Grundtakt festgelegt. Dazu werden vier Fahrtenpaare herausgenommen, die im Beobachtungszeitraum mit weniger als fünf Fahrgästen stets beinahe leer waren. Es bleiben damit ab Fahrplanwechsel am 13. Dezember zehn tägliche Fahrtenpaare ohne Taktlücken tagsüber. Die erste Fahrt ab Mühlauer Brücke nach Igls Bahnhof beginnt auch weiterhin um 6:06, dann gibt es eine Pause von zwei Fahrten, der Stundentakt beginnt ab 9:24. Die beiden entfallenden Fahrten waren immer nahezu leer. Außerdem entfallen die zwei letzten Fahrten des Tages; die letzte Fahrt nach Igls startet um 17:24.
Nach einer weiteren, diesmal nur zweijährigen Probephase soll dieser Grundtakt und in dieser Zeit noch vorgenommene Verbesserungen in den ÖPNV-Bestellervertrag übernommen und damit dauerhaft verankert werden. Durch Beibehalten der Beiräte kann die Linie auch in Zukunft begleitet und weiterentwickelt werden, um schleichende Verschlechterungen wie in der Vergangenheit von vornherein zu vermeiden.
Die gestrichenen Fahrtenpaare zeigen leider ganz klar, dass die Linie 6 auch mit der Durchbindung zur Mühlauer Brücke von Berufspendelnden nicht angenommen wurde. Genau jene Fahrten morgens und am frühen Abend, die vor allem von Berufstätigen genutzt werden könnten, waren stets leer oder beinahe leer.
In den kommenden Jahren möchte die zuständige Mobilitätsstadträtin Janine Bex daher die Linie 6 auch für den Alltagsverkehr verbessern. Eine Beschleunigung auf der Bestandsstrecke ist zwar nicht möglich, aber punktuelle Intervallverdichtungen auf 30 Minuten wie auch die Verbesserung der Umsteigemöglichkeiten und die Bewerbung bei Fahrgästen wie z.B. Berufspendelnden, die zwischen Igls und Wilten pendeln, denn für sie ist die Linie 6 die schnellste Verbindung. Die Streichung der "leeren" Fahrtenpaare schafft finanziellen Spielraum für zeitlich begrenzte Tests.
An Infrastrukturmaßnahmen ist neben der neuen Haltestelle Bergisel Richtung Mühlauer Brücke, die noch im November gebaut werden soll, auch die Verknüpfungshaltestelle Romedihof in Igls auf der Umsetzungswarteliste. Sie hat es aber noch nicht ins IVB-Bauprogramm geschafft. Die dortige Verknüpfung der Linie 6 mit der Buslinie J wird das Angebot besonders für Alltagsfahrgäste verbessern, aber auch z.B. für Wintersportbetreibende, die nicht die gesamte Strecke zur Patscherkofelbahn im oft unangenehm vollen Bus zurücklegen wollen. Auch die Möglichkeiten für das Mitführen eines Fahrradbeiwagens zwischen Bergisel und Igls werden erneut geprüft. Die Ausstattung einiger Haltestellen der Linie 6 mit E-Ink-Fahrgastinformationsdisplays wurde zurückgestellt, weil diese zunächst an Haltestellen im Stadtnetz getestet werden, wo eine bessere Erreichbarkeit für Wartungsmaßnahmen gegeben ist, wird aber noch kommen.
Angesichts der weiter sinkenden Bedeutung des Privatautos und der teilweisen Überlastung der Buslinie J durchaus realistisches Fernziel bleibt die 800 Meter kurze Verlängerung von Igls Bahnhof ins Zentrum des Stadtteils. Sie würde das Fahrgastpotenzial an Alltagsnutzenden verdoppeln und die direkte Anbindung der großen Hotels darüberhinaus noch zusätzliches touristisches Potenzial erschließen. Sie wurde, genauso wie auch die Verlängerung zur Mühlauer Brücke, vor einigen Jahren von Ex-Bürgermeister Georg Willi zur Umsetzung angeregt und von den IVB bereits auf Machbarkeit untersucht.